Geheime Druckerei in Dresden trotzte der DDR-Zensur mit verbotener Kunst
Geheime Druckerei in Dresden trotzte der DDR-Zensur mit verbotener Kunst
Ende der 1980er Jahre entstand in Dresden, direkt unter den Augen der strengen Kulturkontrollen der DDR, eine geheime Künstlerinitiative. Die Dresdner Obergraben-Druckerei begann als Untergrundprojekt und nutzte eine alte italienische Druckerpresse, um Kunstwerke außerhalb der staatlichen Genehmigung herzustellen. Ihre Geschichte ist eng verbunden mit einem Netzwerk aus Künstlern, Druckern und Dissidenten, die in versteckten Räumen arbeiteten, um die damaligen Restriktionen herauszufordern.
Die Wurzeln der Initiative reichen bis in die 1970er Jahre zurück. 1971 gründete der Künstler A.R. Penck gemeinsam mit anderen die Gruppe Lücke, die sich fünf Jahre später wieder auflöste. Zur gleichen Zeit schlossen sich Eberhard Göschel und Peter Herrmann der Arbeitsgruppe des Dresdner Leonhardi-Museums an. Herrmann besaß eine italienische Druckerpresse aus dem Jahr 1908, die später von Bernhard Theilmann restauriert wurde und für das Projekt eine zentrale Rolle spielen sollte.
Bis 1978 bezog Göschel ein größeres Atelier, wodurch eine Dreizimmerwohnung für Experimente frei wurde. Gleichzeitig suchte Jochen Lorenz, ein Drucker, der die Routinearbeit wie das Drucken von Fahrplänen satt hatte, nach kreativeren Herausforderungen. Diese Verbindungen bildeten das Fundament für die Dresdner Obergraben-Presse, die als Künstlerkollektiv, Druckwerkstatt, Verlag und Galerie fungierte. Penck entwickelte in dieser Zeit auch seine Theorie Vom Untergrund zum Obergrund – ein Konzept, das den Widerstand der Druckerei gegen die staatliche Zensur widerspiegelte.
Die Initiative stand nicht allein da. Ähnliche Untergrundnetzwerke wie Kunst & Übung in Leipzig oder die Galerie Eldorado in Dresden agierten ebenfalls innerhalb des restriktiven sozialistischen Systems der DDR. Diese Gruppen stützten sich auf informelle Verbindungen zwischen dissidenten Künstlern, die im Verborgenen arbeiteten, um Kunst außerhalb der offiziellen Kanäle zu produzieren und zu verbreiten.
Die Dresdner Obergraben-Druckerei wurde zu einem seltenen Ort künstlerischer Freiheit in einer streng kontrollierten Gesellschaft. Mit einer restaurierten italienischen Presse und einer versteckten Wohnung druckte das Kollektiv Werke, die sich der kulturellen Zensur widersetzten. Ihr Vermächtnis steht für den größeren Widerstand ostdeutscher Künstler, die Wege fanden, jenseits der Reichweite des Staates zu schaffen.
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