Bundesbank-Chef Nagel überrascht mit bedingter Öffnung für Eurobonds
Bundesbank-Chef Nagel überrascht mit bedingter Öffnung für Eurobonds
Der Präsident der deutschen Bundesbank hat eine bemerkenswerte Kehrtwende in der Haltung zu gemeinsamer EU-Verschuldung signalisiert. Joachim Nagel, Chef der Notenbank, spricht sich nun unter strengen Auflagen für einen begrenzten Einsatz von Eurobonds aus. Seine Position steht damit im deutlichen Kontrast zur langjährigen Ablehnung gemeinsamer Kreditaufnahmen durch die Bundesbank.
Nagels Vorstoß erfolgt zu einem Zeitpunkt, an dem immer mehr Politiker der Eurozone gemeinsame Schulden als Mittel zur Stärkung der europäischen Wirtschaftslage befürworten. Gleichzeitig wird damit die Spannung zum Bundeskanzler Friedrich Merz deutlich, der solche Maßnahmen strikt auf Notfälle beschränken will.
Die Bundesbank lehnte Eurobonds einst vehement ab – aus Sorge, sie könnten die Haushaltsdisziplin untergraben und leichtsinnige Ausgaben fördern. Während der Eurokrise 2010 warnte der damalige Präsident Jens Weidmann vor moralischem Risiko und Gefahren für die nationale Budgethoheit. Doch die COVID-19-Pandemie zwang 2020 zum Umdenken: Der im Juli desselben Jahres aufgelegte 750-Milliarden-Euro-Wiederaufbaufonds NextGenerationEU markierte einen Wendepunkt.
Unter der Koalitionsregierung von Olaf Scholz ab 2021 lockerte Deutschland seine Haltung weiter. Reformen der Schuldenregeln zwischen 2023 und 2025 sowie hohe Staatsverschuldung veranlassten die Verantwortlichen zur Neubewertung. Nagel plädiert nun für gezielte gemeinsame Kreditaufnahmen – allerdings nur, wenn sich die Mitgliedstaaten verpflichten, ihre eigenen Schulden abzubauen. Seine Bedingungen spiegeln die Bedenken hinsichtlich Haftung und Haushaltsverantwortung wider.
Nagels Forderung steht im Einklang mit einem breiteren Trend in der Eurozone. Immer mehr Notenbanker sehen gemeinsame Schulden als entscheidend an, um im Wettbewerb mit den USA und China zu bestehen. Dennoch bleiben die Meinungen gespalten: Erst kürzlich lehnte die deutsche Regierung den Vorstoß des französischen Präsidenten Emmanuel Macron für sektorspezifische Eurobonds ab. Zudem betonte Nagel die Notwendigkeit, Europas Abhängigkeit von US-Zahlungssystemen zu verringern – die Dominanz von Mastercard und Visa berge Sicherheitsrisiken.
Über die Schuldenfrage hinaus setzt er sich für einen liquideren Markt für sichere EU-Vermögenswerte ein, um ausländische Investoren anzuziehen. Eine robustere, von externen Einflüssen unabhängige Zahlungsinfrastruktur ist ein weiteres zentrales Anliegen. Diese Schritte, so Nagels Argument, würden die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit Europas stärken, ohne die nationale Haushaltskontrolle zu untergraben.
Nagels bedingte Unterstützung für Eurobonds markiert einen bedeutenden Kurswechsel der Bundesbank. Seine Vorschläge knüpfen gemeinsame Schuldenaufnahme an strikte Schuldenabbauregeln und eine Beschränkung auf Krisenzeiten. Die Positionsänderung spiegelt die laufenden EU-Debatten über fiskalische Solidarität wider – auch wenn die Differenzen mit Berlin und anderen Hauptstädten fortbestehen.
Sollten die Maßnahmen umgesetzt werden, könnten sie Europas finanzielle Unabhängigkeit und Wettbewerbsfähigkeit neu gestalten. Der Erfolg hängt jedoch davon ab, gemeinsame Kreditaufnahmen mit nationaler Haushaltsdisziplin in Einklang zu bringen – eine Herausforderung, die noch ungelöst ist.
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