12 June 2026, 18:05

WM-Patriotismus: Wie Fanartikel und Flaggen gesellschaftliche Gräben vertiefen

Lieber 'Party-Patriotismus' als kein Patriotismus

WM-Patriotismus: Wie Fanartikel und Flaggen gesellschaftliche Gräben vertiefen

Alle vier Jahre löst die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland einen Boom an Fanartikeln aus – Händler stapeln Flaggen und Banner in ihren Regalen. Ein kürzlich auf Arte ausgestrahlter Dokumentarfilm untersuchte, wie diese Welle des Patriotismus ungewollt soziale Spannungen verstärken kann. Besonders beleuchtet wurde das Leid, das durch scheinbar harmlose, aber hartnäckige nationalistische Äußerungen während des Turniers entsteht.

Die Regisseurin des Films warnte, dass die Normalisierung von Flaggen und nationalistischen Symbolen rechtsextreme Bewegungen wie Pegida oder die AfD befeuern könne. Sie sprach von einer „positiven Partei-Patriotismus“-Stimmung, die gefährliche Nebenwirkungen berge.

In Deutschland tut sich die politische Klasse seit jeher schwer mit offen gezeigtem Nationalstolz. Die ehemalige Bundeskanzlerin Angela Merkel mied bewusst Begriffe wie „Vaterland“ oder „deutsches Volk“. Auch viele Bürger:innen empfinden es als unangenehm, Nationalfeiertage oder die eigene Identität ohne Vorbehalte zu zelebrieren.

Doch für manche Familien bleibt die WM ein Anlass persönlicher Begeisterung. Eine Mutter erzählte, wie ihr jüngster Sohn das Auto mit Deutschlandflaggen schmückte. Ein anderer gab zu, bei großen Turnieren nur die Spiele der Nationalmannschaft zu verfolgen – trotz geringen Fußballinteresses.

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Der Dokumentarfilm zeigt, wie vielschichtig der Umgang mit nationaler Identität im heutigen Deutschland ist. Selbst harmlose Feiern können tiefere Bedeutungen tragen. Die Weltmeisterschaft bleibt ein Moment, in dem diese Widersprüche besonders sichtbar werden.

Quelle