17 June 2026, 16:33

"Die Parabel der Wut": Ein radikales Bühnenexperiment über Fett, Stigma und Widerstand

Wien-Festival: Überleben unter den Fettbergen

"Die Parabel der Wut": Ein radikales Bühnenexperiment über Fett, Stigma und Widerstand

Eine mutige neue Performance: Die Parabel der Wut feiert Premiere bei den Wiener Festwochen im Odeon

Unter der Regie von Rébecca Chaillon widmet sich die Produktion Die Parabel der Wut dem Leben und den Kämpfen von Menschen, die sich als fett identifizieren. Inspiriert von Octavia Butlers Roman Die Parabel des Sämanns sowie den Erfahrungen einer Popstar-Persönlichkeit und einer Astrophysikerin aus derselben stigmatisierten Banlieue, aus der auch Chaillon stammt, setzt das Stück neue Maßstäbe.

Die Aufführung beginnt mit Julie Teuf, die dem Publikum Butter verteilt. Die Zuschauer sind eingeladen, sie zu kosten und an einer Verlosung teilzunehmen – ein Einstieg in ein immersives Erlebnis. Sieben Performer:innen, die sich nicht in konventionelle Körpernormen pressen lassen, beherrschen für fast drei Stunden die Bühne und erkunden das Thema Fett – insbesondere Butter – in all seinen Facetten.

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Auf der Bühne wechseln sie zwischen Rollen: Mal sind sie eine Gemeinschaft des geteilten Leids, mal eine Schar Überlebender, mal eine Band, die kraftvolle Auftritte liefert. In buttergelben Roben, nackt oder bei der live hergestellten Butter verarbeiten sie ihre Geständnisse – vom Trinken von Thunfischdosenöl über das Braten und Verspeisen von Spüllappen bis hin zur Nachstellung von Szenen aus The Biggest Loser.

Der Titel La Parabole du Seum spielt mit Mehrdeutigkeiten: Er verweist auf „Parabel“, „Satellitenschüssel“ und die Emotionen Wut, Frustration und Bitterkeit. Über diese Elemente hinweghin untersucht die Inszenierung die Realität von Körpern, ihre Herkunft und ihren Einfluss auf das Leben.

Die Performance stellt gängige Vorstellungen von Fett und Stigmatisierung infrage. Durch die Verbindung persönlicher Geschichten, provokativer Akte und symbolträchtiger Bilder wirft sie einen schonungslosen Blick auf marginalisierte Erfahrungen. Die Premiere bereichert das Festivalprogramm um ein beeindruckendes und wegweisendes Werk.

Quelle