ARD testet 30-Minuten-Tagesschau – bringt mehr Länge auch bessere Qualität?
Luisa LangeARD testet 30-Minuten-Tagesschau – bringt mehr Länge auch bessere Qualität?
Die ARD testet derzeit eine längere Version ihrer Hauptnachrichtensendung Tagesschau. Im Rahmen des Versuchs wird die Abendausgabe von 15 auf 30 Minuten verlängert – beginnend mit der Montagsausgabe um 20:15 Uhr. Der Sender begründet die Änderung damit, dass das Format so alltagsrelevanter werde.
Doch Kritiker fragen sich, ob die Verlängerung tatsächlich die Qualität steigert oder den Zuschauern lediglich mehr Zeit abverlangt.
Jörg Schönenborn, Programmdirektor des WDR, stellte das erweiterte Format als Möglichkeit vor, globale Ereignisse mit persönlichen Erfahrungen zu verknüpfen. Eine vertiefte Berichterstattung spiegle besser wider, was die Zuschauer wirklich bewegt, so seine Argumentation. Bisher liegen jedoch keine Einschaltquoten vor, die zeigen, wie der Test im Vergleich zur ursprünglichen 15-Minuten-Version ankommt.
Medienbeobachter haben bereits Stellung bezogen. Die Journalistin Aurelie von Blazekovic von der Süddeutschen Zeitung zweifelt daran, ob der Versuch, noch alltagsnäher zu werden, tatsächlich mehr Zuschauer überzeugen wird. Michael Hanfeld, Medienredakteur der FAZ, warnte hingegen, 15 Minuten sollten für Nachrichten ausreichen – eine längere Sendezeit könnte zudem das Abendprogramm der ARD durcheinanderbringen. Bereits im Januar 2023 hatte Anna Mayr von Die Zeit argumentiert, das eigentliche Problem der Tagesschau liege nicht in der Länge, sondern in der Qualität.
Da die ARD für ihre langsamen Entscheidungsprozesse bekannt ist, könnte es einige Zeit dauern, bis über eine dauerhafte Umstellung auf die 30-Minuten-Version entschieden wird. Derweil bietet der Test den Zuschauern mehr Details und ein stärkeres Gefühl der Repräsentation – allerdings um den Preis zusätzlicher Zeit in ihrem Abendprogramm.
Mit der verlängerten Tagesschau will die ARD Vertrauen aufbauen und mehr Zuschauer gewinnen. Ob der Versuch gelingt, hängt jedoch von der Resonanz des Publikums und internen Bewertungen ab. Eine dauerhafte Änderung ist noch lange nicht sicher.






