Wiens Comedy-Szene trotzt Karfreitags-Tradition mit neuem Club
Wiens Comedy-Szene bereitet sich auf ein turbulentes Osterfest 2026 vor
Der Lucky Punch Comedy Club, gegründet vom deutschen Komiker Michael Mittermeier, sollte eigentlich am 3. April eröffnet werden – ausgerechnet an seinem 60. Geburtstag. Doch dieses Datum fällt auf den Karfreitag, einen Tag, der in Österreich und Deutschland tief in Tradition und Einschränkungen verwurzelt ist.
Der Karfreitag ist für gläubige Katholiken seit jeher ein Tag der stillen Besinnung. Viele halten Fasten ein, wobei die Mahlzeiten oft schlicht ausfallen – wie die Linsen ohne Speck, an die sich der Autor aus seiner Kindheit erinnert. Die Wiener Staatsoper und das Burgtheater bleiben geschlossen, und selbst die deutsche Bundesliga setzt ihre Spiele aus. Doch das Kabarett war schon immer eine Ausnahme.
Die Tradition des "Kabaretts am Karfreitag" entstand im frühen 20. Jahrhundert in Wien als kulturell-religiöser Kompromiss. Kirchenbehörden erlaubten "harmlose Unterhaltung", um unseriösen Vergnügungen entgegenzuwirken – so entstanden satirische Bühnen wie das "Simplizissimus". Es überstand NS-Verbote und Nachkriegs-Zensur und wurde zum Symbol der Meinungsfreiheit. Heute ist es fester Bestandteil der österreichischen Osterkultur.
Mittermeiers Club, der Lucky Punch Comedy Club, wird nun später im April öffnen. Der Veranstaltungsort im frisch renovierten Prückel-Theater wird von seiner Frau Gudrun kuratiert. Nach dem Start sind bunte Comedy-Shows geplant, die Wiens lange Tradition verbinden, Humor mit Feiertagen zu verknüpfen.
Die verschobene Eröffnung vermeidet Konflikte mit den Karfreitagsbräuchen. Sobald die Türen offen sind, reiht sich der Club in eine über hundertjährige Kabarett-Tradition ein. Die Wiedereröffnung des Prückel-Theaters Mitte April sorgt dafür, dass die Comedy-Szene der Stadt lebendig bleibt – nur nicht am höchsten Feiertag des Jahres.






