Thüringens Kampf gegen digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen endet mit offenen Fragen
Luisa LangeThüringens Kampf gegen digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen endet mit offenen Fragen
Dreijähriges Pilotprojekt in Thüringen: Kampf gegen digitale sexualisierte Gewalt unter Jugendlichen
Ein dreijähriges Modellprojekt in Thüringen setzte sich zum Ziel, digitale sexualisierte Gewalt unter jungen Menschen einzudämmen. Finanziert vom Landesjugendamt erreichte die Initiative rund 5.000 Schülerinnen und Schüler mit Präventionsworkshops. Das Thema hat in letzter Zeit größere Aufmerksamkeit erhalten – nicht zuletzt durch aktuelle öffentliche Debatten über digitalen Missbrauch.
Yasmina Ramdani leitete die Workshops an Schulen in ganz Thüringen und richtete sich an Schülerinnen und Schüler der fünften bis achten Klasse. Mit einer Bingomethode regte sie Gespräche über Online-Erfahrungen an und erklärte Begriffe wie Cybergrooming – also die gezielte Kontaktaufnahme von Tätern, die Kinder über Chats manipulieren, um sie später zu missbrauchen. Fast ein Viertel der Minderjährigen gab 2025 an, bereits solche Gewalt erlebt zu haben.
Viele Vorfälle geschehen dabei nicht nur durch Fremde, sondern im bekannten Umfeld. Oft sind die Täter Bekannte, und Grenzverletzungen finden auch in Freundeskreisen oder Klassenchats statt – begünstigt durch mangelnde digitale Kompetenz. Lehrkräfte fühlen sich häufig überfordert und benötigen bessere Unterstützung im Umgang mit solchen Fällen.
Das in Deutschland einzigartige Projekt endete, ohne dass klar ist, ob andere Bundesländer ähnliche Programme übernommen haben. Gleichzeitig haben Prominente wie Collien Fernandes, die sich öffentlich zu digitaler Gewalt äußerten, dazu beigetragen, das Problem ins Bewusstsein zu rücken. Fachleute betonen, dass Eltern mit ihren Kindern über Grenzen sprechen und auch das eigene Online-Verhalten reflektieren müssen, um sie zu schützen.
Das Pilotprojekt in Thüringen vermittelte tausenden Jugendlichen direkt Wissen über digitale Risiken. Doch fehlende Nachfolgedaten lassen die langfristige Wirkung offen. Schulen und Familien stehen weiterhin vor Herausforderungen bei einem Problem, das laut Bundesgesundheitsstudien fast die Hälfte der jungen Menschen betrifft.






