Anna Netrebkos umstrittene Rückkehr an die Berliner Staatsoper polarisiert Publikum
Luisa LangeAnna Netrebkos umstrittene Rückkehr an die Berliner Staatsoper polarisiert Publikum
An der Berliner Staatsoper Unter den Linden feierte am Sonntagabend eine Neuinszenierung von Un ballo in maschera Premiere. Die Sopranistin Anna Netrebko stand als Amelia auf der Bühne und markierte damit ihre Rückkehr an das Haus – begleitet von anhaltenden Debatten über ihre früheren Verbindungen zu Russland. Die Vorstellung erntete sowohl begeisterten Applaus als auch vereinzelte Buhrufe aus dem Publikum.
Die von Rafael R. Villalobos inszenierte Produktion verband in bestimmten Szenen Themen der queeren Ballroom-Kultur mit Bezügen zur AIDS-Krise. Netrebko, die sowohl die russische als auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, war zuletzt im Sommer 2023 an der Staatsoper aufgetreten. Seither hat sich die öffentliche Meinung in Deutschland von einer grundsätzlichen Ablehnung zu einer vorsichtigen Akzeptanz gewandelt. Kritiker konzentrieren sich mittlerweile stärker auf ihre künstlerische Leistung als auf ihre politischen Kontroversen.
Vor dem Opernhaus versammelten sich etwa 50 Demonstranten mit ukrainischen Fahnen. Vor Beginn der Vorstellung skandierten sie Parolen wie "Keine Bühne für Putin-Unterstützer" und "Russland ist ein Terrorstaat". Netrebkos Geburtstagsfeier im Kreml 2021 und ihr anfängliches Schweigen zum Ukraine-Krieg hatten zuvor für heftige Kritik gesorgt.
Elisabeth Sobotka, Intendantin der Staatsoper, verteidigte die Entscheidung, Netrebko zu engagieren. Sie verwies darauf, dass sich die Sängerin öffentlich von Russland distanziert habe und seit dem Angriffskrieg nicht dorthin zurückgekehrt sei. Im Theater selbst erhielten Orchester und Sänger starken Beifall, doch einige Zuschauer äußerten ihre Missbilligung durch Buhrufe.
Bis zur Spielzeit 2025–2026 war Netrebko an bedeutenden Häusern wie der Hamburger und der Wiener Staatsoper wieder aufgetreten. Medien wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung lobten ihre gesangliche Meisterschaft, während Blätter wie Die Zeit und der Tagesspiegel sie weiterhin als politisch realitätsfremd kritisierten.
Die Premiere unterstrich die anhaltende Spaltung in der deutschen Kulturlandschaft über Netrebkos Auftritte. Während ihre künstlerischen Leistungen Anerkennung fanden, zeigten die Proteste vor dem Haus, dass ihre früheren Verbindungen nach wie vor umstritten sind. Die Entscheidung der Staatsoper, sie zu besetzen, spiegelt einen allmählichen Wandel wider, wie Kultureinrichtungen mit Künstlern umgehen, die in geopolitische Konflikte verstrickt sind.






