Zuckersteuer ab 2028: Warum die Regierung trotz Daten-Streit an der Abgabe festhält
Lukas LehmannZuckersteuer ab 2028: Warum die Regierung trotz Daten-Streit an der Abgabe festhält
Die deutsche Bundesregierung treibt die Einführung einer Steuer auf zuckerhaltige Getränke voran, die 2028 in Kraft treten soll. Nach Angaben von Beamten soll die Abgabe jährlich rund 450 Millionen Euro einbringen. Gleichzeitig ist ein Streit über die Behauptung entbrannt, der Zuckergehalt in Erfrischungsgetränken sei in den letzten Jahren deutlich gesunken.
Das Landwirtschaftsministerium hatte kürzlich erklärt, der Zuckeranteil in Softdrinks sei zwischen 2018 und 2024 um 15 Prozent zurückgegangen. Interne Unterlagen zeigen jedoch, dass die tatsächliche Reduktion nur 9,1 Prozent betrug. Kritiker werfen der Behörde vor, mit der höheren Zahl in die Irre zu führen, da sie sich lediglich auf einen gewichteten Durchschnitt der marktführenden Produkte bezog – nicht auf alle untersuchten Getränke. Auch das Max-Rubner-Institut äußerte Zweifel an der 15-Prozent-Angabe und verwies auf eine kleinere Stichprobengröße im Jahr 2018.
Eine separate Auswertung ergab zudem, dass Getränke, die speziell an Kinder vermarktet werden, heute 23 Prozent mehr Zucker enthalten als noch 2019. Selbst in den eigenen Unterlagen des Ministeriums heißt es, dass es seit 2022 keinen nennenswerten Rückgang des Zuckergehalts in Erfrischungsgetränken insgesamt gegeben habe. Luise Molling von der Verbraucherorganisation Foodwatch warf den Verantwortlichen vor, die Fortschritte der Industrie bewusst übertrieben darzustellen, um schärfere Regulierungen zu vermeiden.
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken verteidigte die geplante Steuer als eine Maßnahme, die sowohl fiskalische als auch gesundheitspolitische Ziele verfolge. Das Landwirtschaftsministerium wies die Vorwürfe falscher Angaben zurück. Zwar sind die genauen Modalitäten noch nicht öffentlich, doch nach aktuellen Plänen könnten Getränke mit weniger als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter von der Abgabe ausgenommen werden. Stark zuckerhaltige Getränke müssten hingegen mit 26 oder 32 Cent pro Liter belastet werden.
Die Steuer soll 2028 eingeführt werden und jährlich etwa 450 Millionen Euro einbringen. Die Regierung betont, dass die Maßnahme den Zuckerkonsum reduzieren werde – trotz der anhaltenden Kontroversen über die tatsächlichen Fortschritte der Branche. Die finale Ausgestaltung der Abgabe, einschließlich möglicher Ausnahmen und Steuersätze, steht jedoch noch aus.






