Wiesbaden kämpft gegen wachsende Vermögenskluft: Gewerkschaften fordern radikale Steuerreformen
Emilia SchmittWiesbaden kämpft gegen wachsende Vermögenskluft: Gewerkschaften fordern radikale Steuerreformen
Ein neuer Bericht wirft ein Schlaglicht auf die wachsende Vermögenskluft in Wiesbaden, wo Spitzenverdiener mit Millioneneinkünften die durchschnittlichen Arbeitnehmer immer weiter hinter sich lassen. Die Gewerkschaftsführer der Stadt fordern nun umfassende Steuerreformen, um dem, was sie als zunehmende soziale Schieflage bezeichnen, entgegenzuwirken. Zu ihren Kernforderungen zählen höhere Abgaben für Wohlhabende sowie eine Reform der Besteuerung von Ehepaaren.
Aktuell zählt Wiesbaden 154 Einkommensmillionäre – das entspricht einem Millionär auf 982 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Bei insgesamt 151.200 Arbeitnehmern, die in das System einzahlen, sorgt diese Diskrepanz für wachsende Besorgnis. Hendrik Hallier, Geschäftsführer der NGG Rhein-Main, warnt, dass sich die Kluft weiter vertieft.
Die Gewerkschaft macht vor allem die Steuerpolitik für die Ungleichheit verantwortlich. Ein durchschnittliches Paar in Wiesbaden zahlt 43 Prozent seines Einkommens an Steuern und Abgaben. Kapitalerträge wie Zinsen oder Dividenden werden hingegen oft nur mit 25 Prozent besteuert. Erbschaften und Vermögen tragen derzeit lediglich 1,1 Prozent zum gesamten Steueraufkommen bei – ein Wert, den die Gewerkschaft als viel zu niedrig kritisiert.
Um die Schieflage zu bekämpfen, drängt die NGG Rhein-Main auf mehrere Änderungen: Sie fordert die Einführung einer Vermögenssteuer sowie höhere Spitzensteuersätze für die besten Verdienenden. Zudem verlangt die Gewerkschaft die Abschaffung des Ehegattensplittings, da das aktuelle System Frauen von der Erwerbstätigkeit abhalte und veraltete Rollenbilder zementiere. Darüber hinaus besteht sie darauf, dass Arbeitseinkommen nicht stärker besteuert werden darf als Kapitalerträge.
Ziel der Gewerkschaftsvorschläge ist es, die Steuerlast für Arbeitnehmer zu verringern und gleichzeitig den Beitrag der Vermögenden zu erhöhen. Sollten die Reformen umgesetzt werden, könnte sich die Besteuerung von Einkommen und Kapitalerträgen in Wiesbaden grundlegend ändern. Die Debatte über diese Pläne wird voraussichtlich anhalten, während die Stadt mit ihrer wirtschaftlichen Spaltung ringt.






