"Thirst Traps": Wie Influencer mit aufreizenden Posts Follower ködern – und warum das riskant ist
Maximilian KrauseVerführerische TikTok-Clips: Was steckt hinter 'Thirst Traps' - "Thirst Traps": Wie Influencer mit aufreizenden Posts Follower ködern – und warum das riskant ist
Aufreizende Social-Media-Posts, bekannt als *"Thirst Traps", sollen Aufmerksamkeit erregen – und sie werden immer häufiger.** Experten warnen, dass solche Beiträge zwar die Marke eines Influencers stärken können, gleichzeitig aber Bedenken hinsichtlich jugendgerechter Inhalte aufwerfen. Besonders junge Nutzer:innen sind ihnen auf Plattformen wie TikTok und Instagram regelmäßig ausgesetzt.
Thirst Traps funktionieren, indem sie Betrachter:innen mit anzüglichen Bildern oder Videos ködern und so Likes, Kommentare und Shares provozieren. Die Sozialpädagogin Tessa-Marie Menzel erklärt, dass diese Strategie auf Interaktion setzt – oft wird Nähe suggeriert, ohne sie wirklich zu bieten. Der Medienexperte Rudolf Kammerl bezeichnet dies als einen gezielten psychologischen Trick. Für Content-Creator:innen kann sich das auszahlen: Die deutsche YouTuberin Annikazion gewann beispielsweise durch tägliche Thirst Traps innerhalb einer Woche etwa 30.000 neue Follower:innen.
Der Trend beschränkt sich nicht auf Einzelpersonen. Die Elevator Boys, eine Gruppe von fünf jungen deutschsprachigen Creator:innen, nutzten Thirst-Trap-Inhalte, um über ihren TikTok-Ruhm hinauszuwachsen. Sie sicherten sich Modelverträge, gründeten eine Boygroup und traten sogar in Filmen auf – ein Beweis für das wirtschaftliche Potenzial dieser Strategie.
Doch die Auswirkungen von Thirst Traps sind nicht nur positiv. Menzel verweist auf einen zwiespältigen Effekt: Für manche können solche Posts befreiend wirken, besonders wenn sie traditionelle Schönheitsideale herausfordern. Gleichzeitig bergen sie die Gefahr, enge Schönheitsnormen zu verstärken, Körper zu objektifizieren und junge Zielgruppen sexualisierter Inhalte auszusetzen. Kammerl und sein Kollege Rainer Kammerl fordern daher strengere Kontrollen. Sie appellieren an Social-Media-Plattformen und Eltern, Altersbeschränkungen durchzusetzen und besser zu überwachen, was Kinder online zu sehen bekommen.
Thirst Traps bleiben ein mächtiges Werkzeug für Influencer:innen, die Sichtbarkeit und Einkommen steigern wollen. Ihre Reichweite erstreckt sich jedoch auch auf junge Nutzer:innen – was die Forderung nach besseren Schutzmechanismen laut werden lässt. Ohne strengere Regulierung, warnen Expert:innen, könnte die Grenze zwischen Selbstausdruck und Ausbeutung für vulnerable Nutzer:innen weiter verschwimmen.






