Sachsen-Anhalt schränkt Lohnkontrollen drastisch ein – Arbeitnehmer bleiben schutzlos
Maximilian KrauseSachsen-Anhalt schränkt Lohnkontrollen drastisch ein – Arbeitnehmer bleiben schutzlos
Lohnkontrollen in Sachsen-Anhalt stark eingeschränkt – Arbeitnehmer immer weniger geschützt
In Sachsen-Anhalt hat die Durchsetzung von Mindestlöhnen in den vergangenen drei Jahren dramatisch nachgelassen. Die Kontrollen durch den Zoll gingen um mehr als die Hälfte zurück, sodass viele Geringverdiener kaum noch Schutz genießen. Kritiker warnen, dass Verstöße gegen Arbeitsnormen zunehmend unentdeckt bleiben, da Unternehmen seltener als je zuvor überprüft werden.
Noch 2022 führte die Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS) in Sachsen-Anhalt 1.598 Betriebsprüfungen durch. Bis 2025 sank diese Zahl auf nur noch 691 – weniger als die Hälfte des ursprünglichen Werts. Die Kontrolldichte liegt damit bei gerade einmal 42,4 Prozent des Niveaus von vor drei Jahren.
Die nachlassende Überwachung bedeutet, dass Unternehmen deutlich seltener mit Inspektionen rechnen müssen. Statistisch gesehen wird ein Betrieb in der Region nur noch alle 90 Jahre vom Zoll kontrolliert. In der Landwirtschaft ist die Wartezeit noch länger: Ein landwirtschaftlicher Betrieb muss im Schnitt 234 Jahre auf eine Prüfung warten.
Niedriglöhne bleiben ein strukturelles Problem. Fast ein Viertel aller Beschäftigten in Sachsen-Anhalt verdient weniger als 15 Euro pro Stunde. In Betrieben ohne Tarifbindung sind es sogar 35 Prozent. Zwar soll der gesetzliche Mindestlohn bis 2027 auf 14,60 Euro steigen, doch die mangelnde Kontrolle lässt viele Arbeitnehmer schutzlos zurück.
Der Linken-Abgeordnete David Schliesing spricht von einer "Kontrollblindheit" und fordert spezielle Staatsanwälte für die Ahndung von Lohnverstößen sowie dringend mehr Personal für den Zoll. Seine Forderungen kommen zu einer Zeit, in der auch die Zahl der aktiven Unternehmen im Land gesunken ist – von 65.738 im Jahr 2022 auf 62.211 im Jahr 2025.
Angesichts der stark rückläufigen Kontrollen und der weiterhin verbreiteten Niedriglöhne steht das Lohnkontrollsystem in Sachsen-Anhalt zunehmend in der Kritik. Die geplante Erhöhung des Mindestlohns 2027 könnte zwar etwas Entlastung bringen, doch ohne strengere Überwachung drohen Verstöße weiter ungestraft zu bleiben. Unternehmen agieren heute mit einem weitaus geringeren Risiko, kontrolliert zu werden, als noch vor wenigen Jahren.






