Holzingers Pfingstspiel sprengt Grenzen zwischen Performance und Technik
Emilia SchmittHolzingers Pfingstspiel sprengt Grenzen zwischen Performance und Technik
Florentina Holzinger inszeniert ein kühnes Pfingstspiel im Wiener Eislaufverein – eine Verschmelzung von extremer Performance und moderner Technik
Florentina Holzinger hat mit ihrem mutigen Pfingstspiel im Wiener Eislaufverein extreme Performancekunst mit modernster Technologie verbunden. Die Produktion ehrte Hermann Nitsch, stellte gleichzeitig aber traditionelle Rollenbilder in der Aktionskunst infrage. Das Publikum wurde anschließend nach Schloss Prinzendorf gebracht, den historischen Schauplatz von Nitschs Orgien-Mysterien-Theater, wo ein beeindruckender Höhepunkt die Vorstellung beschloss.
Die Aufführung begann mit einer nackten Frau, die an der Fassade des Intercontinental Hotels hinabstieg – eine Reminiszenz an Trisha Browns Werk von 1970. Holzinger und ihr rein weibliches Ensemble parodierten anschließend das „Letzte Abendmahl“, indem sie sich schwebend im Innenhof von Schloss Prinzendorf in Szene setzten. Die Stimmung kippte abrupt, als ein Monstertruck einen Panzer zerquetschte – ein symbolischer Appell für Frieden –, bevor eine Fallschirmspringerin mit Taubenhelm als Heiliger Geist vom Himmel schwebte.
Holzinger griff Nitschs „Malaktion“ auf, modernisierte sie jedoch mit Drohnen und einer gekreuzigten Performerin. Die Verbindung von extremer Körperlichkeit und Technologie markierte einen Bruch mit früheren Aktionskunst-Bewegungen. Der Abend endete mit Holzinger und ihren „Jüngerinnen“, die sanft in der Luft schwebten und so einen seltenen Moment der Stille und Schönheit schufen.
Von Autos und Motorrädern bis hin zu einem Fallschirmsprung reichten die verwendeten Materialien, die der rohen Intensität der Performance zusätzlichen Nachdruck verliehen. Holzingers Werk hinterfragte Nitschs Erbe und rückte zugleich die sich wandelnde Rolle von Frauen in der radikalen Performancekunst in den Fokus.
Die Inszenierung verband brutale Symbolik mit Momenten zerbrechlicher Anmut. Durch den Einsatz von Technologie und weiblich dominierter Aktionskunst setzte sich Holzinger bewusst von Nitschs ursprünglicher Vision ab. Die Vorstellung hinterließ beim Publikum eine provokante Reflexion über Tradition, Geschlechterrollen und die Grenzen der Live-Kunst.






