Hessens Kritik an der Pflegereform: "Belastung für finanziell Schwache"
Maximilian KrauseHessens Kritik an der Pflegereform: "Belastung für finanziell Schwache"
Hessens Gesundheitsministerin Diana Stolz hat sich zum Entwurf der Pflegereform der Bundesregierung geäußert. Zwar erkannte sie einige positive Ansätze an, warnte jedoch, dass zentrale Bereiche weiterhin unzureichend entwickelt seien. Die geplanten Änderungen bergen ihrer Meinung nach die Gefahr, finanziell schwächere Gruppen zusätzlich zu belasten.
Stolz hob sowohl Stärken als auch Schwächen des Reformplans hervor. Einerseits begrüßte sie bestimmte Verbesserungen, andererseits kritisierte sie Maßnahmen, die zu höheren Eigenanteilen bei Pflegebedürftigen führen könnten.
Der Reformentwurf sieht mehrere Neuerungen vor: Die Präventions- und Rehabilitationsleistungen werden gestärkt, die Regelungen zu Leistungen vereinfacht und ab 2028 jährliche Inflationsanpassungen für Pflegegeld eingeführt. Die inflationsgebundenen Erhöhungen nannte Stolz „längst überfällig“ und lobte den neuen Anspruch auf Pflegeberatung. Auch ein Überbrückungsbudget für Notfälle bewertete sie als sinnvolle Ergänzung.
Gleichzeitig äußerte Stolz Bedenken hinsichtlich einer Kostenverlagerung. Sie kritisierte insbesondere die Verlängerung der Mindestaufenthaltsdauer in Pflegeheimen, die für Zusatzleistungen erforderlich ist, und warnte, dass dadurch die Eigenbeteiligung der Bewohner steigen werde. Zudem lehnte die Ministerin Kürzungen bei den Rentenbeiträgen für pflegende Angehörige ab – mit dem Hinweis, dass vor allem Frauen, die den Großteil der unbezahlt Pflegenden stellen, die Hauptlast dieser Einschnitte tragen würden.
Hessen setzt in seinem eigenen Pflegesystem auf Alternativen zur stationären Versorgung. Die Region beschäftigt 91 Pflegekoordinatoren, die ältere Menschen unterstützen, bevor sie auf Vollzeitbetreuung angewiesen sind, und so helfen, Pflegebedürftigkeit hinauszuzögern. Lokale Pflegestützpunkte bieten leicht zugängliche Hilfe an. Stolz lud den Bundesgesundheitsminister ein, sich vor Ort in Hessen ein Bild vom kommunal verankerten Modell zu machen.
Zwar bewertete Stolz die Inflationsanpassungen und Notfallmittel im Reformentwurf als notwendige Fortschritte, doch kritisierte sie, dass andere Änderungen – wie längere Qualifikationszeiten und Rentenkürzungen – vor allem diejenigen treffen würden, die sie am wenigsten verkraften können. Mit ihrer Einladung, Hessens Ansatz zu präsentieren, wirbt die Ministerin für eine breitere Übernahme gemeindeorientierter Pflegelösungen.






