Hessens Apotheken kämpfen um Überleben gegen unfaire Online-Konkurrenz und starre Gesetze
Emilia SchmittHessens Apotheken kämpfen um Überleben gegen unfaire Online-Konkurrenz und starre Gesetze
Hessische Beamte haben Alarm geschlagen angesichts des wachsenden Drucks auf lokale Apotheken durch unfaire Konkurrenz und veraltete Vorschriften. Staatssekretärin Dr. Sonja Optendrenk traf sich mit dem Noweda-Vorstandsvorsitzenden Dr. Michael Kuck in Langgöns, um über die finanziellen Schwierigkeiten der Apotheken und die dringend notwendigen Reformen zu sprechen.
Bei dem Treffen wurden langjährige Probleme mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) von 2020 thematisiert, das nach Kritikern Versandapotheken begünstigt. Seit dessen Einführung haben diese Online-Anbieter – wie etwa medikamente-per-klick.de in Bayern – ihre Dienstleistungen ausgeweitet, etwa durch kostenlose Blisterverpackungen. Doch die Nachfrage bleibt gering (unter einer Million von sieben Millionen Pflegebedürftigen). Unklar ist zudem, wie sich dieser Wandel auf die Apothekenversorgung in ländlichen Regionen auswirkt.
Kuck betonte, dass stationäre Apotheken und Großhändler strenger reguliert werden als Versandapotheken und Drogerien, was zu einer ungleichen Wettbewerbssituation führe. Er forderte die Abschaffung dieser Ungleichheit, um die lokale Gesundheitsversorgung zu sichern und sicherzustellen, dass Patienten alle notwendigen Behandlungen erhalten. Optendrenk unterstützte diese Bedenken und warnte, dass die wirtschaftliche Instabilität der Apotheken die regionalen Gesundheitsnetze gefährde.
Beide waren sich einig, dass höhere Festbeträge und fairere Vergütungsmodelle unerlässlich sind. Kuck wies darauf hin, dass Apotheken – oft erste Anlaufstelle für medizinischen Rat, besonders in ländlichen Gebieten – finanziell tragfähig bleiben müssen, um ihre Rolle in der Arzneimittelsicherheit und Patientenberatung zu erhalten. Hessen hatte im Bundesrat bereits Pläne für "Apotheken ohne Apotheker" abgelehnt und setzt stattdessen auf angepasste Vergütungsmodelle.
Die Diskussionen zeigen den zunehmenden Druck auf die Politik, die Finanzierung und Regulierung von Apotheken zu reformieren. Ohne Änderungen könnten lokale Apotheken im Wettbewerb zurückfallen, was den Zugang zu persönlichen Gesundheitsdienstleistungen einschränken könnte. Die Verantwortlichen stellen die Frage nicht nur als wirtschaftliches, sondern auch als demokratisches Problem dar – schließlich gehe es um den Grundsatz der gleichberechtigten Gesundheitsversorgung.






