16 March 2026, 10:05

Hanau 2020: Wie ein Dokumentarfilm die Trauer und den Kampf der Angehörigen zeigt

"Manifest der Humanitären Liga" in fetter schwarzer Schrift in der Mitte eines weißen Hintergrunds.

Wird Rassismus immer noch nicht ernst genommen? - Hanau 2020: Wie ein Dokumentarfilm die Trauer und den Kampf der Angehörigen zeigt

Ein neuer Dokumentarfilm mit dem Titel Das deutsche Volk untersucht den Anschlag von Hanau 2020 und seine Folgen. Unter der Regie von Marcin Wierzchowski begleitet der Film die Angehörigen der neun Opfer über einen Zeitraum von fast fünf Jahren. Seine Premiere feierte er 2025 auf der Berlinale, gewann später den Hessischen Filmpreis und wurde anschließend auf 3sat ausgestrahlt.

Am 19. Februar 2020 erschoss ein Attentäter in Hanaus Stadtteil Kesselstadt neun Menschen. Alle Opfer hatten Migrationshintergrund mit Wurzeln in der Türkei, Bosnien und Rumänien. Viele von ihnen betrieben kleine Geschäfte wie Shisha-Bars oder Lebensmittelläden. Dass der Täter aus rassistischen Motiven handelte, stand von Anfang an fest.

Wierzchowski begann nur wenige Tage nach der Bluttat mit den Dreharbeiten. Er hielt fest, wie die Familien mit Verlust und Ohnmacht kämpften – eine Trauer, die sich bald in Wut über das wahrgenommene Versagen der Behörden verwandelte. Die Angehörigen schlossen sich später zu einer Arbeitsgruppe zusammen, um auf Aufklärung und Konsequenzen zu drängen.

Das deutsche Volk stellt die Frage, ob der Anschlag hätte verhindert werden können. Gleichzeitig beleuchtet der Film übergeordnete Themen wie strukturellen Rassismus und die Gefahren von Überlegenheitsdenken. Er rekonstruiert die Ereignisse, die zur Tragödie führten, sowie den langen Kampf um Gerechtigkeit, der ihr folgte.

Der Dokumentarfilm wurde bereits ausgezeichnet: Nach seiner Premiere auf der Berlinale erhielt er den Hessischen Filmpreis. Mit der Fernsehpremiere auf 3sat erreichen die Geschichten der Überlebenden nun ein breiteres Publikum. Im Mittelpunkt der Debatte bleibt die Forderung der Familien nach Antworten – und nach Veränderung.

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