Grüne Lkw-Flotten scheitern an mangelnder Infrastruktur und hohen Kosten
Maximilian KrauseGrüne Lkw-Flotten scheitern an mangelnder Infrastruktur und hohen Kosten
Europas Vorstoß für grüne Lkw-Flotten scheitert an massiven Hindernissen – Branchenführer warnen vor einer Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit
Die Hersteller von Nutzfahrzeugen warnen, dass das Fehlen einer ausreichenden Lade- und Betankungsinfrastruktur die Klimaziele für den Schwerlastverkehr bereits im Ansatz zum Scheitern bringen könnte, noch bevor sie richtig Fahrt aufnehmen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) schätzt, dass bis 2030 rund 350 Hochleistungs-Ladestationen für Lkw benötigt werden, um die wachsende Zahl emissionsfreier Flotten zu unterstützen. Doch die Bundesregierung hat bisher nur den Bau von 130 solchen Stationen bis Ende 2025 zugesagt.
VDA-Präsidentin Hildegard Müller betonte, dass zudem Tausende Wasserstofftankstellen notwendig seien, um das Ladenetz zu ergänzen. „Ohne diese Infrastruktur wird der Umstieg auf klimaneutrale Antriebe nicht gelingen“, so Müller.
Alexander Vlaskamp, Vorstandsvorsitzender von MAN Truck, ging noch einen Schritt weiter: Europa müsse monatlich 750 bis 800 Hochleistungs-Ladestationen (350 kW) für Lkw errichten, um die Klimaziele bis 2030 zu erreichen. Andernfalls, so Vlaskamp und andere Branchenvertreter, drohe das Scheitern der Wende hin zu emissionsfreien Flotten. Aktuell fahren noch 98 Prozent aller Lkw mit Diesel – vor allem wegen der hohen Kosten und der unzureichenden Infrastruktur.
Führungskräfte der Branche kritisieren, dass die EU-Vorgaben diese praktischen Herausforderungen ignorieren. Karin Rådström, Chefin von Daimler Truck, forderte radikale Lösungen und verwies auf eine „tiefgreifende Diskrepanz zwischen regulatorischen Forderungen und wirtschaftlicher Realität“. Maximilian von Löbbecke von Renault Trucks Deutschland bezeichnete eine Elektrifizierung ohne die nötige Infrastruktur als „keinen Fortschritt, sondern eine Störung“.
Der VDA wies zudem auf weitere wirtschaftliche Belastungen hin, darunter Handelsbarrieren, hohe Energiepreise und Protektionismus, die die Nachfrage nach emissionsfreien Nutzfahrzeugen in Deutschland schwächen. Die ab 2049 geltenden Euro-7-Abgasnormen, die drastische CO₂-Reduktionen vorsehen, seien ohne die entsprechenden Unterstützungsstrukturen schlicht nicht umsetzbar, heißt es.
Die Hersteller sind sich einig: Die hohen Gesamtbetriebskosten und das Fehlen einer flächendeckenden Infrastruktur bleiben die größten Hürden für den Umstieg auf emissionsfreie Flotten. Ohne schnelle und massive Investitionen, so die Warnung, werde Europas grüne Lkw-Revolution noch bevor sie an Fahrt gewinnt, ins Stocken geraten.
