Fürther Jugendrat fordert Hilfe statt Strafe für arme Straftäter:innen
Lukas LehmannFürther Jugendrat fordert Hilfe statt Strafe für arme Straftäter:innen
Der Fürther Jugendrat hat einen Antrag eingebracht, der statt Bestrafung Unterstützung für Menschen fordert, die aus Armut Straftaten begehen. Die unter dem Titel „Hilfe statt Strafe – Gemeinsam gegen Gewalt“ eingereichte Vorlage wird am 1. Juli 2023 beraten. Sie knüpft an die laufenden Debatten über Schwarzfahren und weitere soziale Problemlagen in der Stadt an.
Ausgangspunkt des Antrags waren Diskussionen darüber, wie mit Schwarzfahrten im Öffentlichen Nahverkehr umgegangen werden soll. Zunächst gab es Forderungen, solche Fälle nicht mehr bei den Behörden zu melden. Später einigte man sich darauf, arme Menschen, die ohne Ticket fahren, nicht zu verfolgen – doch dem Jugendrat geht dies nicht weit genug.
Der Vorsitzende Alexander Bohn betonte die Notwendigkeit von aufsuchenden Hilfsangeboten, um die Ursachen von Armut zu bekämpfen. Seine Stellvertreterin Julia Dierauf argumentierte, dass junge Menschen, die aus finanzieller Not heraus straffällig werden, gezielte Unterstützung statt Bestrafung brauchen. Der Rat schlägt zudem vor, die Jugendhilfe in Strafverfahren einzubinden, um bessere Begleitung zu gewährleisten.
Neben armutsbedingter Kriminalität thematisiert der Antrag auch die zunehmende Gewalt in der Stadt. Der Beisitzer Clemens Trompke wies insbesondere auf sexualisierte und geschlechtsspezifische Gewalt hin. Um dagegen vorzugehen, setzt sich der Jugendrat für eine zentrale Meldestelle für Betroffene ein – inklusive der Möglichkeit anonymer Anzeigen. Zudem wird ein stadtweites Meldesystem erprobt, ohne zusätzliches Personal einstellen zu müssen.
Weitere Maßnahmen umfassen den Ausbau von Streetwork und mobilen Jugenddiensten. Diese Initiativen sollen gefährdeten Personen direkte Hilfe bieten und Kriminalität präventiv entgegenwirken.
Über den Antrag des Jugendrats wird im kommenden Monat offiziell beraten. Bei Annahme könnten daraus neue Unterstützungsstrukturen für von Armut und Gewalt Betroffene entstehen. Die Vorschläge zielen darauf ab, den Fokus von Strafe hin zu Prävention und gemeinschaftlicher Hilfe zu verlagern.
