Ex-Staatssekretär Graichen zerpflückt die deutsche Energiepolitik als klimaschädlich
Emilia SchmittHabecks Staatssekretär Graichen kritisiert die Energiepolitik der Bundesregierung - Ex-Staatssekretär Graichen zerpflückt die deutsche Energiepolitik als klimaschädlich
Patrick Graichen, ehemaliger Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, hat die aktuelle Energiestrategie der Bundesregierung scharf kritisiert. Er wirft der Regierung vor, langfristige Klimaziele zu vernachlässigen, indem sie weiterhin zu stark auf Öl und Gas setze. Seine Äußerungen erfolgen nach seinem umstrittenen Rückzug aus dem Amt im vergangenen Jahr.
Graichen war im Mai 2023 vorzeitig in den Ruhestand versetzt worden, nachdem es zum Bruch mit Wirtschaftsminister Robert Habeck über das deutsche Heizungsgesetz gekommen war. Der Konflikt war zudem von einem Interessenkonflikt im Zusammenhang mit der sogenannten Trauzeugen-Affäre überschattet. Seit seinem Ausscheiden aus dem Amt stellt er die Energiepolitik der Regierung offen infrage.
In seinen jüngsten Stellungnahmen warf Graichen den regierenden Parteien CDU/CSU und SPD vor, wirtschaftliche Verflechtungen mit der Öl- und Gasbranche über Klimaschutzziele zu stellen. Zudem deutete er an, dass rechtspopulistischer Einfluss und Widerstand gegen Veränderungen die politischen Entscheidungen prägten. Die Bundesregierung, warnte er, pralle an geopolitischen Realitäten ab, indem sie trotz wiederholter Warnungen an fossilen Energieträgern festhalte.
Stattdessen verwies er auf die skandinavischen Länder als Vorbild für eine ausgewogene Energiepolitik. Zwischen 2021 und 2026 setzten Norwegen, Schweden und Dänemark gezielte Subventionen und Steuerreformen ein, um die grüne Wende zu beschleunigen. Norwegen trieb durch den Verzicht auf Kaufsteuern für Elektroautos deren Marktanteil auf über 90 Prozent. Schweden förderte die Installation von Wärmepumpen durch Sanierungszuschüsse und CO₂-Steuern auf fossile Brennstoffe. Dänemark wiederum baute erneuerbare Energien aus und verschärfte gleichzeitig die Vorschriften zur Dekarbonisierung von Gebäuden.
Graichen betonte, Deutschland müsse ähnliche Maßnahmen ergreifen, um nachhaltige Alternativen bezahlbar zu machen. Ohne gezielte Eingriffe, warnte er, werde der aktuelle politisch motivierte Rückschritt die Klimakrise langfristig nicht lösen können.
Graichens Kritik unterstreicht die Spaltung in der Debatte um die deutsche Energiezukunft. Seine Forderung nach Steuerreformen und Subventionen orientiert sich an Modellen, die in Skandinavien bereits erfolgreich umgesetzt wurden. Die Diskussion kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Deutschland unter Druck steht, seine Klimaziele zu erreichen – während gleichzeitig wirtschaftliche und politische Widerstände gegen den Wandel wachsen.






