Apothekerin kämpft gegen 25.000-Euro-Betrug durch gefälschte Merck-Rechnungen
Maximilian KrauseApothekerin kämpft gegen 25.000-Euro-Betrug durch gefälschte Merck-Rechnungen
Apothekeninhaberin in finanzieller Unsicherheit nach gefälschten Rechnungen von Merck
Die Besitzerin einer Apotheke in Deutschland steht nach gefälschten Rechnungen des Pharmakonzerns Merck vor finanziellen Problemen. Carolin Schleußinger, Inhaberin der Marien-Apotheke in Roding, fürchtet, aufgrund eines raffinierten Cyberbetrugs, der Apotheken bundesweit trifft, 25.000 Euro doppelt zahlen zu müssen.
Der Fall begann, als Schleußinger scheinbar legitime Rechnungen von Merck erhielt – bis sich später herausstellte, dass es sich um Fälschungen handelte. Merck hat das Problem inzwischen eingeräumt, aber nicht bekannt gegeben, wie viele Apotheken von der Betrugsmasche betroffen sind.
Erste Zweifel kamen bei Schleußinger auf, als sie eine zweite Zahlungsaufforderung für dieselbe Rechnung erhielt. Sie hatte die Angaben, darunter ein neues Bankkonto und eine spanische Adresse, bereits überprüft, doch damals bestand für sie kein Anlass, an einen Betrug zu denken. Erst als Merck sie kontaktierte und bestätigte, dass sie Opfer von Cyberkriminalität geworden war, wurde der Schwindel offenbart.
Merck riet ihr, Anzeige bei der Polizei zu erstatten und die verdächtigen E-Mails zur Untersuchung weiterzuleiten. Das Unternehmen platzierte zudem einen Warnhinweis auf der Startseite seines Online-Shops und forderte Apotheken auf, die Bankverbindungen auf allen Rechnungen genau zu prüfen. Dennoch zeigt sich Schleußinger verärgert: Sie argumentiert, dass die Systeme von Merck kompromittiert wurden – nicht die ihrer Apotheke. Mittlerweile hat sie Strafanzeige erstattet und rechtliche Schritte eingeleitet. Auf Anraten ihres Anwalts verweigert sie die erneute Zahlung der 25.000 Euro.
Das Problem beschränkt sich nicht auf ihren Betrieb. Bereits im vergangenen Jahr meldeten Apotheken in ganz Deutschland eine Welle gefälschter Merck-Rechnungen, die das Unternehmen als gezielte Cyberangriffe einstuft. Weder Merck noch die Behörden haben jedoch bestätigt, wie viele Betriebe betroffen sind. Schleußinger äußert zudem die Sorge, dass Merck die Lieferung von Medikamenten einstellen könnte, falls der Streit nicht beigelegt wird – was die Situation für sie zusätzlich verschärft.
Sie kritisiert Merck für mangelnde Transparenz und wirft dem Konzern vor, das Ausmaß der Angriffe herunterzuspielen. Ohne klare Lösung in Sicht müssen Schleußinger und andere betroffene Apotheken die finanziellen und betrieblichen Risiken allein bewältigen.
Der Fall verdeutlicht die wachsende Bedrohung durch Cyberbetrug in der pharmazeutischen Lieferkette. Schleußingers rechtliche Auseinandersetzung und ihre Weigerung, die zweite Rechnung zu begleichen, könnten ein Präzedenzfall für andere betroffene Unternehmen werden. Gleichzeitig unterstreicht Mercks Warnung an Apotheken die Notwendigkeit erhöhter Wachsamkeit bei der Abwicklung von Zahlungen – auch wenn das volle Ausmaß des Problems weiterhin unklar bleibt.






